Zum Inhalt springen

Halles blutiges Erbe: Reinhard Heydrich und das Schicksal von Lidice

Seit 13. Februar ist im Stadtmuseum Halle die Ausstellung über Reinhard Heydrich zu sehen. Er war ein Hallenser, der im Nationalsozialismus eine atemberaubende Karriere durchlief und der 1942 den Folgen eines Attentats erlag.

Als sogenannten „Vergeltungsmaßnahme“ für das Attentat wurden die tschechischen Gemeinden Lidice und Lezáky dem Erdboden gleichgemacht,  deren Bewohner ermordet und verschleppt. Am 10. Juni 1942 erschoss die „Polizeikompanie Halle“ alle 173 männlichen Einwohner Lidices.

Das Stadtmuseum Halle lädt ein

In der Sonderausstellung der Stiftung „Topographie des Terrors“ im Stadtmuseum werden zum einen Karriere und Werdegang Heydrichs beleuchtet. Zum anderen hat das Stadtmuseum Zeugnisse von Heydrichs Kindheit und Jugend in Halle gesammelt.

Die Frage: „Wie konnte es dazu kommen, dass jemand sich so entwickelt?“ steht im Raum. Und die Antworten, die die Historiker zeigen, berühren zutiefst. Heydrich, geboren 1904, entstammte einer Musikerfamilie und war zugleich auch ein Kind im 1.Weltkrieg und ein Heranwachsender in der Nachkriegszeit mit Revolution, Putsch und Hyperinflation. Ein extrem unsicheres Umfeld.
Im Jahr 1922 kehrte er seiner Familie und seiner Heimatstadt den Rücken, um als Seekadett in die Reichsmarine einzutreten. Dem jungen Mann war in den Straßenkämpfen von Halle wohl klar geworden, dass die Musik in derart finsteren Zeiten keine erfolgversprechende Überlebensstrategie war.

Die Werkstattausstellung „Spuren in Halle“ ist eine elementar wichtige Ergänzung zur Heydrich-Ausstellung der Berliner Stiftung. Hier kann man den Menschen Heydrich hinter dem skrupellosen Karrieristen und Massenmörder hindurchscheinen sehen; den Menschen, den die Welt nie zu sehen bekommen hat. Hier darf man es wagen, sich dem Kind Reinhard mit seinen Sehnsüchten, Talenten und Ängsten anzunähern.

Ich gebe zu bedenken, dass der Name Reinhard in seiner Bedeutung auch für „unerbittlicher Ratgeber“ steht. Von der eigenen Unerbittlichkeit durch das Leben getrieben, hat er eine entsetzliche Spur der Verwüstung hinterlassen, bis über seinen Tod hinaus. Eine Unerbittlichkeit, die auch heute noch Wunden zwischen Halle und Lidice offen hält.

Schüleraustausch bringt inzwischen Annäherung. Bürgermeister Geier hat 2024 den schweren Schritt gewagt, zur Gedenkfeier nach Lidice zu reisen. Die Frage, ob und wie Heilung hier stattfinden kann, ist wohl nur in kleinen Schritten zu erkunden, zu gigantisch und zu grausam ist das Geschehene.

Zwei dicke Elefanten standen im Raum...

Ja, es standen zwei „Elefanten“ im Museumsraum – die Parallelen zum Diktaturspiel Corona und die Beteiligung der halleschen Polizei an der Vernichtung von Lidice – beides ist bisher unaussprechbar, zu schmerzhaft. Nichtsdestotrotz findet sich sehr viel Berührendes in dieser Ausstellung, man kann sie mehrfach besuchen. Sie lädt immer wieder ein, neu ins Thema zu tauchen, sich Anregungen zu holen für die eigene Bildungsarbeit.

Mein großer Dank gilt den Kuratoren des Stadtmuseums sowie der Historikerin Marion Schneider, die mit ihrem unermüdlichen Engagement seit 2019 die Stadt Halle immer wieder auf das Thema Lidice aufmerksam gemacht hat.

Die Ausstellung Reinhard Heydrich ist bis 10. Mai 2026 in Halle zu sehen.
Sie wird ergänzt durch verschiedene Werkstattgespräche und Führungen.
Das Stadtmuseum Halle ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.