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Auf in den Weltfrieden! – Aber wie?

Unsere Initiative beschäftigt die Frage: „Frieden – was ist das und wie geht das?“ nun schon seit geraumer Zeit und wir tauchen immer tiefer ins Thema ein. Wir haben den Verdacht, dass Demokratie und Frieden aufs Engste zusammengehen und dass wir den Schlüssel zu beidem JEDER IN UNS tragen.

Demokratie braucht Menschen, die demokratiefähig sind – also fähig sind zur flexiblen, konsensorientierten Lösungsfindung. Frieden braucht Menschen, die friedensfähig sind, also fähig sind, Frieden zu schaffen und zu halten.
Traumatisierte Menschen können weder das eine noch das andere. Die eigene Heilarbeit wird zur Voraussetzung für beides; also zum Schlüssel für eine (mitunter schmerzhafte) Bewusstwerdung, die aber das Potential hat, unser generationenaltes Leiden endlich zu beenden. Nur indem wir unsere Verantwortung vollumfänglich annehmen, können wir Frieden und Demokratie in voller Größe entwickeln. Das geht nicht, solange wir uns selber klein, bedürftig und unerwachsen halten; solange wir Macht in unserem Leben irgendwem überlassen.

Auf in den Weltfrieden! – Aber wie?

Weltweit findet sich der Begriff „Frieden“ meist als sogenannte Negativdefinition beschrieben: „Frieden ist die Abwesenheit von gewaltsamen Konflikten oder Krieg.“ … Jeder kennt das. Was für eine krasse, kollektive Ablenkung!

Ein Begriff, der in aller Munde ist, müsste doch aus sich selbst heraus definiert werden, aus sich selbst heraus Klarheit bringen. Und jeder weiß, dass das, was wir hier im Land seit 80 Jahren Frieden nennen, sich oft einfach nicht so anfühlt. Jeder hat im Leben schon Frieden gespürt, gefühlt, erlebt. Aber er scheint nicht greifbar. Wir machen Friedensgebete, Friedensfestivals, Friedensdemonstrationen. Wir wollen Frieden für alle. Aber wissen wir wirklich, wovon wir da reden…? Ich habe selbst versierte Theologen ratlos die Schultern zucken sehen bei der Frage nach einer Definition des Begriffs „Frieden“….

Wir haben uns im April und Mai in illustrer Runde getroffen und zusammengetragen, was für uns Frieden ist, was ihn ausmacht und wie wir ihn greifbar machen. Es waren 3 sehr spannende Abende, an denen wir uns gemeinsam ins Neuland gewagt haben. Es scheint, als sei Frieden eine neuartige (oder fast vergessene) Beziehungsebene, in der tiefer Kontakt möglich ist. Ein Kontakt, jenseits von Angst und Bewertung, bei dem Heilung immer wieder möglich wird. Da durch das Getrenntsein in dieser Welt Verletzungen unvermeidlich sind, braucht es auch notwendig den gleichwertigen Raum, um Heilung im selben Maße zu ermöglichen.

Unabhängig von der Definition, spüren und erfahren wir als Bürgerinitiative sehr genau, dass uns unsere alltägliche Arbeit dem Frieden näher bringt.

Ehrliches Mitteilen nach Gopal, Meditationen, Begegnungsräume, Fühlkreise, Öffentlichkeitsarbeit, politische Arbeit… All das geht bei uns Hand in Hand und sorgt dafür, dass der zwischenmenschliche Friede wächst. Und zugleich wächst der Frieden in jedem selbst. Und damit auch die Friedensfähigkeit, das Verständnis am Gegenüber und das Interesse an der Vielfalt von Perspektiven.

Da wir beim Friedensthema notwendigerweise auch das Thema der massenweisen und generationsübergreifenden Traumatisierung berühren, ist uns klar geworden, dass eigentlich unsere gesamtes Demokratiesystem traumatisiert ist. Es ist erstarrt und angstbesetzt und es bietet eine breite Bühne zum Ausagieren. Allein, was in Halle auf der Bühne der Demokratiesimulation abgeht, kann Bücher füllen ☹

Recht und Gesetz können keine Gewaltfreiheit zusichern; man glaubt, sie seien dazu gedacht, eine größtmögliche Gerechtigkeit sicherzustellen, aber auch das steht auf sehr wackeligen Beinen…. Und die Macht liegt bei denen, denen wir unsere Eigenmacht überlassen. In Halle wurde zum Beispiel die Übertragung der Einwohnerfragestunde ausgesetzt, eventuell weil die Hallenser angefangen haben, Politik zu machen, an den Parteien vorbei.

Ein anderer Punkt ist, dass Frieden allem Anschein nach eine Entwicklungsrichtung hat. Kinder brauchen zur Entwicklung Frieden im Außen. Also einen Raum, in dem naturgemäße Verletzungen immer wieder heilen können. Erwachsen werden heißt (evtl.), die Verantwortung für den eigenen Frieden zu übernehmen. Frieden ändert dann die Wirkrichtung. Wenn ich Frieden in mir (er-)lebe, kann ich ihn in meine Außenwelt geben. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, den Frieden von außen „geliefert“ zu bekommen. Da stellt sich die Frage: Wie erwachsen sind wir eigentlich alle?

Warum erzählen wir so viel vom Frieden?

Uns ist in den letzten Jahren bewusst geworden, wie tief das Trauma der letzten Weltkriege noch in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. Wir sind kollektiv traumatisiert und damit ständig im Kampfmodus und durch Angst wunderbar steuerbar. Dr. Maaz beschreibt das als Normopathie – Krank ist normal. Wer während Corona halbwegs gesund war, bekam zumindest eine „Anpassungsstörung“ diagnostiziert.

Wir akzeptieren das. Und damit akzeptieren wir auch die eigene „Fehlerhaftigkeit“. Und zwar als Chance, um zunächst mit uns selbst in den Frieden zu kommen. Wir arbeiten an der eigenen Enttraumatisierung und damit an der Selbstermächtigung. Wir arbeiten an der Vertiefung unseres Bewusst-Seins.

Die Bewusstseinsarbeit, die Heilarbeit und die Arbeit im Außen (Politik, Job, Beziehungen) gehen bei uns Hand in Hand, sie bedingen einander. Wir sind in einem stetigen, unglaublich spannenden Lernprozess unterwegs.

Wir arbeiten daran, das Thema in den öffentlichen Fokus zu bringen.
Wir möchten zu gerne sehen, wie sich unsere Stadt zu einem Ort gelebten Friedens entwickelt. Eine Stadt, die ihr Trauma auflöst, in der echter Kontakt (auch in der Politik) ganz normal ist – völlig unabhängig von Meinungen, Herkunft oder Status. Wir möchten so gern sehen, wie sich der Frieden in unserem Land ausbreitet, weil die Menschen sich ihrer eigenen Macht und Verantwortung am Frieden der Welt bewusst werden und sich an die Arbeit machen:

Frieden in mir.
Frieden in meiner Familie.
Frieden in meinem Dorf.
Frieden in meiner Stadt.
Frieden in meinem Land.
Frieden in meiner Welt.