Ich habe mir den „Finsteren Hefter“ rausgesucht, den mit der Schul- und Amtspost aus den Jahren 2020-´23.
Es ist kein „Ordner“ im eigentlichen Sinne; es ist ein Papphefter in blassgelb, in den ich damals vieles einfach reinschob, was irgendwie noch mal wichtig werden könnte. Beeindruckend viel Papier…
Als ich ihn aufschlage, fallen mir als Erstes Atteste, Schulunfähigkeitsbescheinigungen und Schweigepflichtentbindungen entgegen. Mit spitzen Fingern leg ich die beiseite.
Gelbe Briefumschläge, uiuiui. In jeder Zeit erst habe ich gelernt, wie schwer es sein kann, die Frist der gelb verpackten Post einzuhalten.
Dann tauche ich ein:
Anhörung wegen einer Ordnungswidrigkeit…
Betr.: Antrag auf Aufhebung der Präsenzpflicht…
Betr.: Ihr Schreiben vom…/Ihre Mail vom…
Es ist ein Abtauchen in den abgrundtiefen Irrsinn dieser Jahre. Mein Verstand will nicht so recht begreifen, wie aus dem ehemals vertraulichen Austausch mit den Klassenleitern letztlich ein komplett irrsinniger Schlagabtausch mit Direktor, Landesschulamt und Amtsgericht werden konnte….
Hier bietet sich die Möglichkeit, mich an meinem eigenen Kompass neu auszurichten: Wo – um Himmels Willen – ist das Geschenk in diesem Erleben?
"Im Gespräch am 11.1.2022 teilte ich Ihnen mit, dass das ärztliche Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht nicht ausreichend begründet sei und deshalb nicht anerkannt werden könne, und erläuterte Ihnen die Anforderungen. Sie haben ein verändertes Attest an die Klassenleitung geschickt. Die Schule übersandte das Attest zur Prüfung der Anerkennung an das Landesschulamt.
Nach Rücksprache mit dem Rechtsbereich war es ebenfalls zurückzuweisen, da es Gründe für eine Befreiung von der Maskenpflicht nicht glaubhaft machen konnte.“
Was war da nur los?!
„Die von Ihnen eingereichten Unterlagen sind keine Lernstandsberichte und ermöglichen auch keine Lernstandskontrollen. …..“
„Die Schul(präsenz)pflicht …. ist eine Bringeschuld der Eltern. Es wäre m.E. vom Jugendamt zu prüfen, ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt und das Ordnungsamt entsprechend aktiv werden muss.“
„Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass vermutlich sehr einfach nachweisbar ist, wer die Verantwortung für eventuelle Misserfolge trägt und dass dies aus meiner Sicht ganz bestimmt nicht die unterrichtenden Fachlehrer sind.“
Tja, wo finde ich das Geschenk im Erleben….?
Meine Ent-Täuschung war ein Geschenk. Jahrelang hatte ich die Verantwortung für die Bildung meiner Kids großteils an ein System abgetreten, dass ich für einigermaßen kompetent hielt. Gut, dass diese Täuschung in Rauch aufgegangen ist.
Dieses Bildungssystem hat meine heranwachsenden Kinder ausgespuckt – es hat sie nicht geschluckt. Als treue Staatsdiener sind sie wohl untauglich – zeitlebens.
Ich selbst bin gewachsen in diesen Jahren. Ich habe mir ein ganzes Stück an Macht in den eigenen Wirkkreis zurückgeholt.
Die Verzweiflung hat Bedürfnisse und Wunden aufgezeigt. Die Wut brachte Klarheit und Mut.
Elternsein war allumfassende Herausforderung, jede Entscheidung brauchte Integration und Rückgrat. Ich habe Aufrichtigsein gelernt und Sichtbarsein. Und Aushalten, Scheitern und Trotzdemdasein.
Ich bin dankbar für die Lernerfahrungen dieser Plagezeit.
Ich bin dankbar für den Kontakt zu meinen Kindern.
Ich bin dankbar dafür, dass wir auf dem dünnen Eis dieser Jahre unseren Weg gefunden haben.
Ich bin dankbar dafür, dass sich die Kraft der Pubertät mit der elterlichen Kraft verbunden hat und dass wir gemeinsam echt wilde Taten getan haben. Wir haben Geschichten erlebt, die unvergessen bleiben und die durch die Generationen reisen werden. Da bin ich mir sicher.
Diese Plagezeit hat eine Kraft freigesetzt, die „Kraft der Pandemie“. So ist das wohl in der Dualität:
Es ist: „Ein Teil von jener Kraft, Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“
Und ich bin dankbar für diesen blassgelben Papphefter, der als eine Art „Analoge externe Festplatte“ dieses Geschehen jederzeit kognitiv greifbar macht. Eine AEF, die einfach ganz geduldig auf ihren Einsatz wartet.
Interesse an Austausch?
Schreib mich an via Mail: helena@freidensatelier-halle.de
Oder nimm dir Zeit fürs 7. Magdeburger Friedensfestival vom 3.-6.9.2026 am Salbker See. Lasst uns zusammenkommen!
Der Fragebogen
Der Fragebogen_FAH ist für Corona-Eltern zur Reflexion des Themas. (inspiriert von der Vorlage für Kinder und Jugendliche der „Pädagogen für Menschenrechte e.V.“ .) Ihr könnt den Fragebogen nur für euch ausfüllen oder ihr könnt ihn uns via Mail zusenden – aus Datenschutzgründen verwendet bitte fantasievolle Namen, auch für Lehrer, Schulleiter etc. 🙂
Wir planen die anonymisierte Veröffentlichung der Ergebnisse.
Der Debatten-Raum
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