Zum Inhalt springen

Du bist die Revolution: Vom Ohnmachthaber zum Schöpfer

Die ehemals große Friedensbewegung fragt sich immer wieder, warum nichts geht, wohin ihre Wirksamkeit und ihre Demonstranten verschwunden sind und wann denn endlich der große Systemzusammenbruch kommt.

?

Aber wenn dann jemand auftaucht mit Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Demonstrationen, dann verliert sich das Interesse am Thema schnell, dann redet man lieber über
kommende Aktionen oder über schlimme Dinge und was man dagegen unternehmen solle….

Denn viel mehr als die Wahrheit interessiert uns leider
unser Weltbild – das schützen wir zuallererst.

Das Konzept der Straßenrevolution, das im letzten Jahrhundert Erfolge brachte, dass soll, muss und wird auch weiterhin durchschlagende Erfolge bringen. Früher oder später.
„Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Viele sind seit 30 oder noch mehr Jahren bei der Friedensbewegung und man fühlt sich wirksam dabei.
Was soll man auch sonst tun?
Und irgendetwas muss man doch schließlich unternehmen.

Es ist halt noch nicht schlimm genug. Man wartet lieber kollektiv auf den großen Knall, die Revolution im Außen oder das „große Erwachen“ der Menschheit.


Das Dumme ist nur:
Das ist ein Ablenkungsmanöver.
Und wir selbst sind die Strippenzieher.

Wir flüchten uns in endlose Analysen, in Fremdkompetenzen, in Straßenaktionen und in das Konsumieren von Krisen-Nachrichten oder Nonsens, um einer einzigen Sache aus dem Weg
zu gehen:

Der eigenen Verantwortung.

Wir alle fürchten uns, wirklich kraftvoll und mächtig zu werden. Wir lehnen unsere eigene Macht ab, weil wir unsere Unschuld nicht verlieren möchten; weil wir die Verantwortung für den Zustand unserer Welt scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Wir bleiben lieber klein und ohnmächtig, weil wir das mit Unschuld verwechseln. Und weil wir Ohnmacht besser ertragen können als Eigenmacht und Verantwortungsübernahme.

Widerstand hat seinen Wert, um eine erste Grenze zu ziehen („Hier mache ich nicht mit“). Wer aber dauerhaft im Protest stecken bleibt, kämpft gegen immer neue Windmühlen und füttert das System mit seiner Energie.

Straßenproteste sind systemimmanenter Bestandteil des laufenden Demokratietheaters. Sie sind ebenso wichtig wie: Empörung, Systemanalyse, Parteien, Wahlen, die mannigfaltigen Onlinepetitionen oder auch Depression, Ausstieg und Rückzug.

Alles gehört zum Spiel. Und alle machen mit.

Wir bleiben hängen in der selbstgewählten Rolle der Kritiker und Ankläger, wir sind Ohnmachthaber.

Doch das ist nicht wirklich erwachsen.
Es ist halt leichter, die Sandburg eines anderen zu bewerten und zu kritisieren, als aus sich selbst heraus etwas aufzubauen.

Tut mir leid.

Wir bekämpfen im Außen, was wir in uns nicht sehen wollen:
– Unsere Streitlust
– unsere Sucht nach Macht über Andere
– unsere Angst, zu kurz zu kommen
– unsere mangelnde Verantwortungsübernahme
Und unsere eigene Kraft zum Gestalten.
Wir sind einander wunderbare Projektionsflächen geworden im Kino des Lebens.

Doch wahre Friedensfähigkeit können wir weder durch Kampf noch durch intellektuelle Konzepte entwickeln. Weder Klassenkampf hilft uns hier weiter, noch ein Regierungswechsel. Nichts kann helfen, was weiterhin die Macht und Verantwortung unseres Lebens im Außen fokussiert. Nichts kann helfen, was uns im Wartemodus hält.

Sondern einzig und allein
eine Revolution in unserem Inneren.
Eine Machtübernahme der besonderen Art.
Zurück zu uns selbst.

Ob man es nun hören will oder nicht: Wir alle sind gesellschaftlich, familiär und ganz persönlich verletzt. Manche nenne das traumatisiert.
Unser aller Nervensysteme sind verstört und arbeiten in einem Notprogramm.
Wir tragen unsere Wunden durchs Leben und wir sind über alle Maßen bestrebt, diese Wunden zu verbergen und Berührungen zu vermeiden.

Das Wort „Wehrlosigkeit“ stimmt uns zutiefst misstrauisch.

Die meisten von uns kämpfen auf allen Ebenen ihres Seins:
Im Sport, in der Arbeit, im Straßenverkehr, in Debatten, in der Politik. Wir kämpfen mit unseren Kindern, mit unseren Partnern, mit unseren Geschwistern und – nicht zuletzt – mit uns selbst.
Was noch sehr beliebt ist: Wir kämpfen FÜR – für den Frieden, für Frauenrechte, für einen guten Schulabschluss, für Tierwohl, für die Freiheit etc. pp.

Wer nicht kämpft – ist depressiv.
Wer nicht kämpft – hat schon verloren.

Und selbst die ganz Spirituellen, die sich auf Gottbegegnung und Liebe fokussieren, sie kämpfen gegen ihr Menschsein an; gegen all die negativ bewerteten Gedanken und Gefühle, welche sie bei aller spirituellen Disziplin immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.
Dabei: Selbst Jesus hatte Anfälle von Wut und Verzweiflung!

Warum gelingt es uns nicht,
unseren Frieden zu machen?

Warum bleibt dieser Satz:
„Ich mache meinen Frieden“
den Sterbenden vorbehalten?

Weil wir Angst davor haben, die volle Verantwortung für unser Leben zu übernehmen.
Wir haben Angst vor unserer gigantischen Kraft, Macht und Größe. Letztlich ist es die Angst davor, allein dazustehen, die Angst vor Einsamkeit und Tod.

Und die Angst vor Schuld.
Seit Jahrhunderten beten wir: „Herr, vergib uns unsere Schuld…“ – Denn wir können uns selbst nicht vergeben, wir sind uns selbst die schlimmsten Richter.
Seit Jahrhunderten saugen wir es mit der Muttermilch auf, dass Macht nichts für uns ist, dass Schuld etwas ganz übles ist und dass Hochmut vor dem Fall kommt.
Es steckt uns in den Knochen.
Wir sind als Menschen Herdentiere. Und wer sich zu weit von der Herde entfernt, der wird an Hunger oder Kälte oder Einsamkeit sterben.

Als Kinder gehen wir eine unglaubliche Anpassung ein, um zu überleben. Wir lassen uns prägen. Ich nenne das Hingabe. Menschenkinder brauchen zu ihrer gesunden Entwicklung ein friedvolles Umfeld.

Wo gibt’s denn sowas?
Nirgends.

Wir haben den Frieden verlernt und verloren.

Was, wenn Erwachsenwerden bedeutet, dass wir uns nicht länger selbst zu emotionalen Krüppeln machen, dass wir aufrichtig und eigenverantwortlich im Leben stehen, dass wir unseren Frieden selbst aufbauen und ihn halten können?

Was, wenn Erwachsensein bedeutet, aussprechen zu können: „Ich fühle Wut und Hass. Ich fühle Sinnlosigkeit, Angst und Einsamkeit.“ Oder auch: „Ich fühle Freude und Stolz. Ich fühle Liebe und Angst und Trauer gleichzeitig.“ ?
Und wenn dann all das stehenbleiben darf, da die Kraft vorhanden ist, all das anzuschauen OHNE irgendwie zu reagieren, auszuagieren oder auszuweichen.
Was, wenn all das wehrlos wahrgenommen werden kann?
Und wenn uns das im Kontakt gelingt?
Wäre das nicht Friedensfähigkeit?

Stell dir vor, es ist Frieden.
Und wir halten das aus.

Ein Nervensystem, das an chronischen Stress, Alarmbereitschaft und das Unterdrücken von Emotionen gewöhnt ist, empfindet echten, tiefen Frieden oft als bedrohlich. Frieden fühlt sich für ein traumatisiertes System an, wie „die Ruhe vor dem Sturm“. Frieden nicht nur zu ersehnen, sondern ihn im eigenen Körper zu halten – ihn zuzulassen, ohne sofort wieder in die Anspannung zu flüchten –, ist die eigentliche Herausforderung der Heilung.

Wie kommen wir dahin, das auszuhalten?

 Es ist ein holperiger Weg. Wer kommt noch mit?

Wahrhaftig erwachsen werden meint, von der Opferrolle in die Schöpferrolle zu wechseln. Das ist ein ganz anderes Paar Schuhe als nur die Volljährigkeit. Da hineinzuwachsen kostet Zeit und Mühe.

Was unsere Welt braucht, sind Menschen, die Verantwortung für ihre Realität übernehmen; und Menschen, die ihr eigenes Weltbild jederzeit entspannt neu gestalten.

Ehrliches Mitteilen ist ein gutgehendes Werkzeug, um die dafür nötige Schattenarbeit auszuhalten.

Wir werden erst mit uns ins Reine kommen, wenn wir unsere ungeliebten Seiten – Schuld, Scham, Verzweiflung, Wut und Hass – integrieren, statt sie weiterhin zu verdrängen.

Für diesen intensiven Integrationsprozess braucht es einen geschützten Kontaktraum; einen Raum, in dem alles da sein darf und alles heilen kann. Ehrliches Mitteilen (EM) bietet quasi ein Auffangnetz: Es ermöglicht Menschen, einander alles mitzuteilen, selbst schlimme Zustände, während die Gruppe einfach da bleibt und den Raum hält – ohne Ratschläge, ohne Wertung, ohne Flucht. Über Tempo und Intensität deiner Lebensarbeit bestimmst du allein. Deine Gruppe gibt dir den benötigten Rückhalt.

Neben dem EM gibt es zum Glück eine Vielzahl anderer Unterstützungen: Es braucht Körperarbeit, Selbstausdruck, Meditation, Musik, geistige Arbeit. Wir haben all unsere Sinne und alle Ebenen unseres Seins mitzunehmen, damit wir am anderen Ende unseres Wiedergeburtsprozesses einigermaßen vollständig auftauchen.😊

Auf das wir unserem Leben öfter mal mit kreativem Wohl-Stand begegnen.
Das ist echte, angewandte Friedensarbeit.
Das ist die friedliche Revolution.
Und sie geschieht IN DIR.

Oder, um mal mit Gopal zu sprechen: „Wir lernen alle EM. Und dann räumen wir auf, auf diesem Planeten.“