Es war eine besondere Fügung: Am Wochenende des 18. und 19. April 2026 – genau zum Jahrestag des Kriegsendes für unsere Stadt Halle – durften wir die Bürgermeisterin von Lidice, Veronika Kellerová, und die Historikerin Marion Schneider als Gäste begrüßen.
Frau Kellerová war dankenswerterweise den verschiedenen Einladungen aus Halle und Thüringen gefolgt, um die Heydrich-Ausstellung in unserem Stadtmuseum zu besuchen. Die Freude war groß, als wir im Foyer des Museums endlich persönlich Bekanntschaft machen durften.
Sogar Matthias J. Maurer und Andreas Wagner von der Graf-Luckner-Gesellschaft nutzten eine kleine Lücke in ihrem straffen Zeitplan, um die Gäste herzlich zu empfangen und direkt auf einen Nachmittagsbesuch im Planetarium einzuladen.
Bewegende Begegnungen und tiefe Einblicke
Norbert Böhnke, der Chefkurator der Halleschen Heydrich-Ausstellung, nahm uns mit auf eine ausgedehnte Führung. Sein breit aufgestelltes Wissen und die sehr persönlichen Berichte haben uns alle tief berührt. Mit Marion Schneider, die sich seit 2018 unermüdlich für eine Verständigung zwischen Halle und Lidice einsetzt, hatten wir eine weitere wundervolle Kompetenz an unserer Seite. Ihre Anwesenheit verlieh diesem Besuch im Stadtmuseum eine noch tiefere Dimension.
Hallesche Tradition und der Blick in die Sterne
Im Anschluss teilten wir im Christian-Wolf-Haus bei einer Tasse Kaffee den traditionellen Hallorenkuchen der Bäckerei Kolb – ein Gebäck, das in Halle seit Jahrhunderten als Zeichen der Dankbarkeit verschenkt wird.
Den Nachmittag verbrachten wir im Planetarium Halle sowie bei den fünf Friedensbäumen, die 2023 von der Graf-Luckner-Gesellschaft gepflanzt wurden. Andreas Wagner rundete diesen Teil des Tages mit einer überaus interessanten Führung durch das Planetarium ab.
Weiße Fahnen und Glockenläuten am Marktplatz
Am Sonntagvormittag fanden wir uns erneut zusammen, um auf dem Marktplatz das Läuten der Friedensglocken zu erwarten. Sie erklingen jedes Jahr am 19. April um exakt 10:55 Uhr und erinnern an das offizielle Kriegsende 1945 für Halle. Einen Tag zuvor, am 18. April 1945, war unsere Stadt beinahe kampflos an die Amerikaner übergeben worden, nachdem zahlreiche Einwohner als Zeichen ihres Friedenswillens weiße Fahnen gehisst hatten.
Ich konnte diese Gelegenheit am Sonntag nutzen, um der Graf-Luckner-Gesellschaft als Zeichen der Anerkennung für ihre Friedensarbeit eine von uns gestaltete „Weiße Fahne“ zu überreichen. Eine weitere, besondere Weiße Fahne übergab ich an Frau Kellerová – als Symbol des Friedenswillens zwischen unseren beiden Städten.
Wachsende Verbundenheit
In Zukunft werden zwischen Lidice und Halle Friedensbäume getauscht. In aller Stille werden sie dem wachsenden Frieden in Europa ihre symbolhafte Kraft verleihen. Alles, was sie dafür brauchen, ist unsere Aufmerksamkeit und ein wenig Pflege.
„Halle und Lidice wollen nun enger zusammenrücken, das ist das wichtigste Zeichen an diesem Tag.“ Ein passenderes Schlusswort hätte der MDR in seinem Bericht über den Besuch aus Lidice kaum finden können.
Wir danken allen Beteiligten von Herzen und freuen uns auf die weiteren, verbindenden Entwicklungen!