Um es vorwegzunehmen: Segnungsspaziergänge sind ein Geschenk. In erster Linie für mich, denn es macht Laune, mit dem Vorsatz des „Liebevollen Sehens“ durch die Stadt zu laufen.
Im Oktober ´25 hatte ich mir die Frage gestellt, ob durch Energiearbeit zu Fuß an der drückenden Ohnmachtsstimmung unserer Stadt zu rütteln sei. Also machte ich mich jeden Sonntag auf den Weg und lief kreuz und quer durch die Innenstadt, allein oder gemeinsam mit anderen.
Im ersten Schritt verordnete ich mir konsequent gute Gedanken. Sätze wie die folgenden standen am Anfang: „Diese Stadt ist ein Geschenk. Diese Stadt ist reich gesegnet. Diese Stadt ist uralt und lebendig. Diese Stadt ist voller liebevoller Menschen. ….“ Ich konzentrierte mich auf derartige Gedanken beim Laufen.
Als ich das ohne innere Gegenwehr denken konnte, ging ich einen Schritt tiefer: „Ich sehe meine wundervolle Heimat. Hier ist das Leben. Ich sehe liebevolle Menschen. Ich sehe bewusste Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Ich sehe meine Stadt im Frieden. …“
An dieser Stelle springt üblicherweise mein „Herzkompass“ an, ich spüre Wärme in der Herzgegend und ich fühle Freude.
Und dann geschieht das, was im Oktober noch unmöglich schien: Ich erlebe liebevolle, offene, interessierte Menschen. Ich erlebe meine Heimatstadt weltoffen, im Wandlungsprozess der eigenen Heilung. Ich ernte Lächeln in den Gesichtern meiner Gegenüber, ich werde freundlich angesprochen von Fremden und ich treffe die Menschen, die ich gerade brauche.
Nach meiner Erfahrung macht es sich am leichtesten, wenn ich allein unterwegs bin. Wenn jemand dabei ist, fällt es mir schwerer, mich lange zu konzentrieren. Bin ich allein, vergehen zwei Stunden wie im Flug.
Fazit: Wir meinen immer, wir würden unsere Welt objektiv wahrnehmen; objektiv betrachtet sei die Welt eben ziemlich fürchterlich. Aber das ist Mist. Das ist ohnmächtiges Denken. Und bissel verantwortungslos.
Unsere Welt ist das, was wir in ihr sehen. Unsere Welt ist genau so, wie wir sie wahrnehmen. Wenn ich mich für ein liebevolles Wahrnehmen entscheide, dann kann ich auch im Penner oder Bettler oder im mürrischen Straßenbahnfahrer die Liebe und Hingabe erkennen. Und die Liebe in meinem Gegenüber reagiert auf meine Wahrnehmung, sie leuchtet zurück.
Wenn ich laufe, dauert jede Perspektive nur Sekunden. Ich bin unterwegs und meine Aussicht im Außen ändert sich ständig, jede Gegenwart lasse ich umgehend wieder los. Das erleichtert das Üben.
Seit Oktober gehe ich nur noch mit Herzkompass aus dem Haus. Und wenn ich mal vergesse, den anzumachen, dann spiegelt mir meine Welt umgehend, was ich zu tun hab. 😊
Auch scheinbar Negatives kann ich nun liebevoll betrachten, ich kann die Perspektive wechseln. Das ist doch mal eine ganz erstaunliche Fähigkeit. Es gibt Herausforderungen, da brauche ich schon etwas Zeit für das Kunststück des Perspektivwechsels. Aber ich weiß, wonach ich zu suchen hab.
Macht was draus!
Falls ihr dafür Unterstützung sucht oder eure Erfahrungen teilen möchtet, schreibt mich an: helena@friedensatelier-halle.de
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