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KRiStA-Symposium am 29.11.2025 – Gutes Futter für den wachen Geist

KRiStA-Samstag bedeutet für uns vom Friedensatelier: Früh raus, Infostandzeugs ins Auto werfen, rüberfahren, begrüßen, aufbauen, reden, zuhören, netzwerken….. Und dann, Schreibzeug griffbereit haben, die Ohren spitzen und los geht’s! So stell ich mir einen Tag an der Uni meiner Träume vor – neue Gedanken für mich, die mich zu neuem Denken inspirieren und motivieren! Mein ewig hungriger Verstand bekommt was zum Kauen vorgeworfen, liebsten Dank!

Das

Prof. Dr. Jörg Benedict lieferte den 1. Gang der Mahlzeit und sprach über epistemisches Unrecht, welches auf einer Annahme zur Wirklichkeit beruht, die einer relativen Wahrheit durchaus entgegenstehen kann. Es ist ein Unrecht, das in unserer wissensfokussierten Welt erstmal als Problem erkannt werden will. Denn wir haben in den letzten Jahren (Jahrzehnten) erfahren, dass Wissen häufig eine Beliebigkeit erfährt und nicht mehr unbedingt zur Wahrheitsfindung beiträgt. Wahrheit wird zum Machtinstrument.

Dr. Harry Lehmann sprach über Institutionen als Ideologiemaschinen und stellte uns das Gesetz der Gruppenpolarisierung vor. Besonders in (digitalen) Gruppendiskussionen setzen sich häufig radikalere Positionen durch, denn unsere Diskussionskultur ist von Konkurrenzdenken geprägt. Im digitalen Raum wird dieses Konkurrenzdenken besonders stark getriggert, jedem moderaten Meinungshalter wird deshalb eine Art „ungenügend sein“ oder gar Zaghaftigkeit unterstellt.Durch diese Perspektive erschließen sich für mich etliche Gruppenprozesse, die ich in den letzten Jahren erleben durfte. Wissen sorgt eben doch für Erkenntnis. 😊
Unser digitales Leben sorgt zudem dafür, dass die früher übliche Trennung zwischen Arbeit und (politischer) Meinung aufgehoben wird. Und so ziehen Politik und Meinungsmache als eine Art „großmäulige Mitarbeiter ohne Vertrag“ in die Institutionen ein und sorgen dort für Polarisierung und Politisierung.

Dr. Lehmann hat noch Hoffnung für unser System und brachte Therapievorschläge wie etwa die Verankerung von Freier Rede und Freiem Denken im Leitbild von Institutionen.

Prof. Dr. Martin Schwab sprach in seinem Vortrag über unseren Bürgerlichen Rechtsanspruch auf Achtung des unabänderlichen Verfassungskerns (siehe Ralph Boes: Art.1-20, GG). Jeder Mensch hat das Recht, den Trägern staatlicher Gewalt zu misstrauen, deshalb gehört der Verfassungsschutzbereich „Delegitimierung des Staates“ abgeschafft. Es bleibt abzuwarten, was die Juristen aus dieser Argumentation entwickeln.

Dr. Hans-Joachim Maaz legte seine Perspektive unserer normopathischen Gesellschaft dar, in der die Mehrzahl der Menschen unter „Übermäßiger Anpassung“ leiden, und die deshalb ein großteils fremdbestimmtes Leben im Finanzkapitalismus führen. Im Laufe seiner Ausführungen wurde schmerzhaft klar, dass JEDER sich immer wieder freimütig hinterfragen darf, in wie weit das eigene Lebensmodell noch von den Folgen früher Verletzung geprägt ist. Dr. Maaz sprach von der Entwicklung der Fähigkeit zum „Inneren Disput“ und von einer „Inneren Demokratieentwicklung“, sowie von der Entwicklung einer persönlichen „Kontaktfähigkeit“ und „Beziehungskultur“. Dr.Maaz´ Vorträge berühren immer wieder, sind sie doch von großer Selbsterfahrung geprägt und laden zu ebensolcher Selbsterfahrung ein….

Das

Dr. Michael Andrick leitete das abschließende Podiumsgespräch und sprach als Einstieg über den Freiheitsbegriff. „Freiheit ist die Möglichkeit, anders zu denken, zu sprechen und zu handeln als meine Umwelt.“ Er sprach davon, dass Freiheit nur „in kleinen Schritten erarbeitet werden kann“ – Ich denke, jeder solcher Schritte verlangt nach einer entsprechenden Anpassung der Bewusstheit, um jedes Level an Freiheit und Verantwortung auch dauerhaft selbständig halten zu können.
Denn Freiheit sorgt für Macht und für Verantwortungsübernahme, braucht aber ein Selbstverständnis jenseits von Machtspielen. Ohne dieses Selbstverständnis und die Befähigung zur Moral, bleibt Freiheit auf Gesetze beschränkt und auf Machthaber, die dir deine Freiheit zugestehen. Oder eben nicht.

Ein langer Tag und ein Symposium großer Leuchttürme unserer Zeit. Und diese finden sich eben nicht nur auf dem Podium, sondern im ganzen Saal. Die Fragerunden und die Arbeit am Infostand zeigte immer wieder, es gibt eine Vielzahl an Vorausdenkern, Voraussinnierern und Machern einer neuen Welt. Wir können uns aus Freiheit zum Guten entwickeln, denn das Unrechte gab und gibt den Weckruf zu einer immer noch ungebrochenen Weiterentwicklung, für jeden Einzelnen und für die Weltengemeinschaft.

Danke KRiStA 

 

Hier geht’s zur offiziellen Internetpräsenz von KRiStA :
https://netzwerkkrista.de/

 

Der Radio Friedensfunk Podcast hat anlässlich des 4. Symposiums eine Sonderfolge aufgenommen. Die Episode geht ab 4.12.’25 um 19:00h über den Äther!