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Protestaktion vom 10. Sept. 26 – Das Gelöbnis

Mit einer ordentlichen Erkältung und trotz Müdigkeit haben wir uns heute auf dem Halleschen Marktplatz eingefunden. Helena hatte gestern bei der Versammlungsbehörde angerufen, um festzustellen, dass bisher keine Friedens-Mahnwache angemeldet war. Diesen Umstand wollten wir dringend ändern!  Es folgt ein Zeitzeugenbericht aus unserer surrealen Gegenwart:

Eine kleine Bilanz in aller Kürze:

  • Wir haben obskure und auch richtig schöne Debatten gehabt ✔
  • Niemand ist zu Schaden gekommen ✔
  • Ich wurde weggescheucht von der Polizei ✔
  • Enrico Seppelt (DuBistHalle.de) wurde ebenfalls des Platzes verwiesen ✔
  • Kurzzeitig enstand ein Bündnis aus der Linksjugend und dem FriedensAtelier Halle und weiteren spontanen Teilnehmern ✔
  • Eine ältere Dame hat Mut bewiesen ✔
  • Wir haben alle Flugblätter von uns verteilt ✔
  • Der MDR war auch dabei… ✔

Aber der Reihe nach:

Ganz wichtig!: Die obligatorische Rechtschreibprüfung der Polizei. Danke, Jungs!

Ankunft 13Uhr, bitte gehen Sie weiter...

Trotz fiebriger Stimmung haben wir in der Vorbereitung neue Handouts wie auch ein neues Plakat gestaltet. Wir sind nicht die Typen, die mit Megaphon und Mikrophon bewaffnet drauflos wettern. Wir neigen eher zu ruhigen Debatten und stiller Präsenz.. 

Wir haben uns entschlossen, auf „Maximale Polarisierung“ zu gehen in alle Richtungen. Schließlich ist der große blaue Elefant im Raum gigantisch. Dazu haben wir einen richtigen Querrundschlag auf alle gängigen Weltbilder formuliert.

Seite 2 unseres Handouts

Denn nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt scheint der gemeine Bürger sich nur noch an der AfD abzuarbeiten, während die totalitäre Bedrohung längst da ist. Was damit gemeint ist? Naja, schau Dir doch mal den Kabinettsbeschluss zur neuen BND-Reform an! Ca. 730 Seiten stark und enorm gefährlich. Nicht für den Russen, sondern für uns … 

Wir haben in den letzten Wochen häufiger über die Chatkontrolle wie auch über die anstehende BND-Reform auf unserer Webseite geschrieben. Und speziell heute am Infostand haben wir darüber ausführlich informiert.

Ich denke es reicht. Wer mehr dazu wissen möchte: Schaut gerne auf unsere Nachrichten-Seite vorbei! 

Nackenschelle von allen Seiten wegen dieser Einleitung.

Allein der Satz „Wir brauchen keine AfD!“ hat sowohl für Zustimmung als auch für viel Häme gesorgt. Dabei haben wahrscheinlich etliche diese Einleitung auf den ersten Blick missverstanden. Wer das Plakat aber mal bis zum Schluss durchschaut, wird feststellen: Wir haben bis dato wahrhaftig KEINE AfD gebraucht, um den Grundstein für eine totalitäre Zukunft zu legen.

Die AfD selbst ist bekanntermaßen keine Friedenspartei. Schließlich hat sie in mehreren Kommunen für Waffenfabriken und Aufrüstung gestimmt – unter anderem in Frankfurt (Oder), Weeze, Troisdorf und Sangerhausen. Wer hierzulande die Wirtschaft ankurbeln will, glaubt anscheinend, man könne es sich derzeit nicht erlauben, die ausgestreckten Hände der Rüstungsindustrie einfach auszuschlagen….

Wir rufen jedenfalls dazu auf, über den Tellerrand zu schauen. Es gibt schlicht und ergreifend kein reines Schwarz oder Weiß mehr. Wir machen uns lediglich dafür stark, aufzuzeigen, wer hier gerade wirklich die totalitären Zügel installiert; und dass die Gesellschaft dringend raus muss aus diesem ständigen Rechts-Links-Lagerdenken. Schließlich verhindert diese künstliche Spaltung nur, dass wir die wahren Gefahren im Hintergrund erkennen und gemeinsam dagegen aufstehen.

Es war bezeichnend, dass Passanten beider Lager uns davon überzeugen wollten, dass die AfD entweder furchtbar oder fantastisch sei. Und wenn wir dieses Spiel nicht mitgespielt haben, galten wir für die einen sofort als AfDler und für die anderen als „Linksextreme“ …

Leute, ernsthaft? Wahrscheinlich ist die AfD das beste Ablenkungsmanöver, um die immer lauter werdende Militarisierung noch zu übertönen.

Das eigentliche Spektakel: Das Gelöbnis

Der Marktplatz höhe Stadthaus und Stadtrat
Party hard: Das Gelöbnis - höhe Roter Turm
Militärische Paraden sind nur noch im Ausland peinlich. Hier ist es jetzt voll okay....

Aber nun zum eigentlichen Festakt, dem absoluten Höhepunkt staatlicher Folklore: das öffentliche Gelöbnis. Helena und ich mischten uns ab und an ganz gern mal inkognito unter das Volk – quasi als anthropologische Feldstudie, um zu schauen, was in diesem Paralleluniversum eigentlich so vor sich geht.

Spoiler: Für mich persönlich war das folgende Szenario surreal.

Das Publikum gleicht einem wogenden Meer aus gezückten Handykameras. Stolze Angehörige und faszinierte Schaulustige, die eifrig zuschauen, wie der Nachwuchs im Takt strammsteht, als gäbe es im Anschluss ein Fleißbildchen für die beste Körperbeherrschung.

Um das martialische Ambiente kulturell abzurunden, wurden überall seltsame Waffen-Skulpturen drapiert. Sigmund Freud hätte bei diesem Anblick vermutlich sofort jubelnd sein Notizbuch gezückt. Offenbar war das der verzweifelte Versuch, militärische Potenz und archaisches Imponiergehabe irgendwie in ein Kunstgewand zu pressen. Frei nach dem Motto: „Schau mal, unser Panzer hat jetzt eine kreative Aura!“

Aber das absolute Highlight, die unangefochtene Königsdisziplin der gesamten Choreografie, durfte natürlich auf keinen Fall fehlen: die Gesichtsentgleisung. Böse guggn! Richtisch, richtisch böse guggn.

Bloß keine weiche Mimik zulassen, die auch nur im Entferntesten an Gefühle erinnern könnte. Da wird der Kiefer kollektiv angespannt, bis der Helm wackelt, und der Blick messerscharf auf Terminator gestellt – so, als würde man jeden Moment einen feindlichen Luftballon mit purer Gedankenkraft zum Platzen bringen. Ein wahres Fest für die Sinne!

Aber jetzt im Ernst:

Mein erster Versuch, der Militärparade beizuwohnen, wurde prompt verhindert. Weil ich nämlich noch mein selbstgebasteltes Bildchen um Hals hang:

Bild in besserer Qualität

Ich solle doch einfach zu meinem Infostand zurückgehen. Das sei mein Bereich – also gut 200 Meter weit weg von der Parade. Schön auf dem Abstellgleis. Mal ganz ehrlich: Ich hatte überhaupt nicht vor zu stören. Brisant ist vielmehr die schnelle Ausgrenzung von der Veranstaltung und die Tatsache, dass der Herr vom Ordnungsamt gar keine rechtliche Grundlage hatte, um mich von dort zu verweisen.

Es eskalierte fast, nachdem ich fragte: „Kann ich denn ohne Handouts und ohne Schild um den Hals wiederkommen, um mir die Parade einfach nur anzusehen?“

Seine Kollegin hatte meine Frage mit einem Ja beantwortet. Der  Ordnungshüter war entweder überfordert oder richtig sauer auf mich. Wahrscheinlich weil ich auch fragte worauf dieser angehende  Platzverweis fußt…. „Der Veranstalter will das nicht“ meinte der Herr.

FUN FACT:
Aus gesicherten Kreisen ging hervor, dass auch Journalist Enrico Seppelt ebenfalls als Provokateur betrachtet wurde. Er wurde gebeten zu gehen.  Dabei machte er nur seine Arbeit als Journalist und fotografierte das Gelöbnis. Aber genaueres ist uns nicht bekannt.

Sogar ein junger Mann, der im Publikum völlig friedlich Organspendeausweise verteilt hat, wurde prompt des Platzes verwiesen. Er musste für diese „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ sogar seine Personalien bei der Polizei hinterlassen. Genau mein Humor. Auf einer militärischen Veranstaltung, bei der es im Kern um den Einsatz von Leben geht, wird ausgerechnet derjenige abgeführt, der sich für das Retten von Leben einsetzt. Die Realsatire schreibt doch wirklich immer noch die besten Drehbücher.

Ab 15 Uhr wurde es laut bei uns....

Zurück zu unserem Stand:

Zu unserer Überraschung bekamen wir Verstärkung. Teile der LinksJugend und Teile der multipolaren Friedensbewegung gesellten sich hinzu, um Kontakt zu knüpfen und um laut Protest zu äußern. Die Jugendlichen sollen mit ihrer Box sogar so laut gewesen sein, dass die Hauptveranstaltung während des Gelöbnisses sich davon gestört fühlte. Allerdings war der Veranstalter, also die Bundeswehr, scheinbar nicht in der Lage, ordentliche Lautsprecherboxen aufzustellen. Ein Trupp Polizisten rückte an, um die jungen Leute zur akustischen Mäßigung aufzufordern. Sie wurden allerdings von der Versammlungsbehörde darauf hingewiesen, dass ordentlich angemeldete Proteste heute auch das Recht hatten, akustisch in Erscheinung zu treten. Verblüffend.

Verblüffend weil die Polizisten ziemlich auf „Zack“ waren und ziemlich überempfindlich in diesem Kontext. Auch gewisse Funktionäre waren  wohl sehr empfindlich?
(Siehe DubistHalle Beitrag)

Schlussfazit

Es gab heute außergewöhnlich viele tiefgründige Gespräche und wir durften in viele vertraute Gesichter blicken. Das hat richtig gutgetan und uns für die kommenden Aktionen neuen Mut tanken lassen. Auch die Resonanz der Passanten auf dem Marktplatz war schlichtweg enorm. Wir hatten damit ehrlich gesagt gar nicht gerechnet: Da uns bei unserem letzten Infostand im März noch überwiegend desinteressierte Passanten über den Weg gelaufen sind, dachten wir, es würde heute ähnlich laufen. Doch das Gegenteil war der Fall.

Man spürt ganz deutlich: Die Menschen wachen auf. Sie merken, dass unser aktuelles System am Boden liegt und dass der politisch propagierte „Heilsbringer“ einer neuen Kriegswirtschaft in Wahrheit der sichere Tod für unsere Gesellschaft ist. Da braucht uns auch niemand mit scheinheiligen Argumenten über nötigen Grenzschutz oder andere wichtige Aufgaben vorschwärmen – das sind Dinge, die in Deutschland das THW ohnehin hervorragend übernimmt (zumindest letzteres).

Deutschland kann nur Friedensstifter sein!

In diesem Sinne: Bleibt mutig, schaut über den Tellerrand und lasst uns im ehrlichen Dialog bleiben!

Weitere Links zum Kontext:

https://www.mdr.de/tv/programm/sendung-5082776.html

Öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr auf dem Marktplatz: Stadträte von Hauptsache Halle kritisieren Gegendemo und verlangen mehr Respekt für Rekruten

 

 Veranstaltungstipp:

Am Freitag, den 25. September um 11:00 Uhr findet auf dem Hallmarkt der SCHULSTREIK GEGEN WEHRPFLICHT statt.

Der Debatten-Raum

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Eine Einladung: Lies nicht nur mit, sondern sprich mit uns – über Gewissen, Freiheit und die Verantwortung, die daraus entsteht.

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