Reisebericht: Pax Terra Musica 2025 – Zwischen Klang, Klarheit und Kompass
Es war kein gewöhnliches Festival…
Pax Terra Musica 2025 war für uns eine Mischung aus Klangteppich, Zeltplatzphilosophie und visionärem Austausch. Menschen mit leuchtenden Augen, barfuß und barherzig, kamen zusammen, um dem Frieden ein Gesicht zu geben – und sei es ein staubiges vom Tanzen.
Die Stadt Friesack im Havelland hat dem Festival erneut den „ländlichen Teppich ausgelegt“. Die Einwohner dürften mittlerweile gut darüber informiert sein, dass Organisatoren und Publikum nicht nur den Frieden gut zu feiern verstehen. Hier sind keine Glasscherben, Schnapsleichen oder andere Unannehmlichkeiten zu finden. In den Tagen des großen Friedensfestes wird nämlich ausnahmslos von allen Beteiligten viel Wert auf Achtsamkeit gelegt.
Anreise ins Offene
Wir nahmen uns vor, diesmal mehr wahrzunehmen als nur das Programm. Wir wollten nicht konsumieren, sondern resonieren. Bei der Abholung am Bahnhof Friesack war zunächst nichts vom Festival-Feeling zu spüren. Je näher wir uns mit Auto zum Ziel bewegten, desto langsamer fuhren wir. Das lag daran, dass innerorts die 30 km/h erwünscht werden. Mittlerweile ein typisches Merkmal von Pax Terra Musica.
Auf dem Gelände angekommen, spürten wir sofort: Hier geht es um Verbindung. Es ist die Verbindung mit den Menschen, die dieses Fest erst zu dem machen, was es heute ist. Hier begegnet man der Menschheitsfamilie herzlich und doch ehrlich, selbst wenn man mit einem Plausch gerade ungünstig dazwischenfunkt. Nicht das „Fassaden-Ich“ steht im Vordergrund, oder irgendwelche Gimmicks, um aufzufallen. Hier begegnet man sich entschleunigt und auch irgendwie angekommen. Ich denke, es ging vielen so, schließen vereint uns alle das Friedensthema und vielleicht auch die Tatsache, wie kräftezerrend die letzten Jahre waren bzgl der Gesellschaftlichen Umbrüche.
Apropos Gimmicks: Das gilt nicht für einige Karosserien! Im Gespräch mit zwei Orga-Mitgliedern am Infostand des Zeltplatzes kam die Frage auf: „Welches Auto gefällt dir am besten?“ Da die Entscheidung noch nicht ganz feststand, habe wir sie nun getroffen: Es ist der Ghostbusters-Trabant! Dieser diente übrigens auch als Shuttle-Dienst für die Kinder innerhalb des Zeltplatzes. Ich bin überzeugt, hier wachsen die neuen Geeks und Nerds für Trabanten und Geisterjäger heran.
Das Pax ist kein Festival im üblichen Sinn. Kein kommerzielles Spektakel. Keine Markenstände. Stattdessen: Infozelte von Initiativen, selbstgebaute Bühnen, eine gute Auswahl an Foodständen, Mitmachkreise und Menschen, die barfuß über Wiesen laufen und dabei friedliche Revolutionen diskutieren.
Das Friedensatelier Halle mittendrin
Auch wir waren mit einem kleinen Infostand vertreten. Kein Hochglanz, dafür Herzblut. Unsere Petitionstexte flatterten wie Gebetsfahnen im Wind. Viele Gespräche waren nicht politisch im klassischen Sinn, sondern menschlich – echt, offen, manchmal auch erschütternd. Manche kamen neugierig, andere vorsichtig. Manche blieben lange. Manche kamen immer wieder.
Wir erklärten, warum Spiritualität kein Widerspruch zur politischen Haltung ist und warum Friedensarbeit innen beginnt und sich dann nach außen fortsetzt. Viele nickten zustimmend. Manche erzählten von ihren eigenen Wegen, von Brüchen, Zweifeln und Neuanfängen. Diese Begegnungen waren das Wertvollste.
Wir sprachen auch mit den anderen Initiativen über ihre innovativen Ideen zur Bewusstseinserweiterung zum Friedensthema. Wir waren sehr froh, dass sich etwas tut und vor allem, dass die meisten den Mut (wieder) haben, Gesicht zu zeigen. Mit verschiedenen Menschen konnten wir Parallelen zu unserem eigenen Scheitern und Neuanfängen erkennen. Es ändert sich wirklich etwas, und wir dürfen nun das Feld halten. Schließlich werden die Zeiten nicht von alleine besser!
Wir haben auf dem Festival nicht nur Gespräche geführt, sondern auch eigene Workshops angeboten. Und was soll ich sagen – einfach WOW! Die Resonanz war schlichtweg großartig und hat unsere Erwartungen übertroffen. Besonders beeindruckend war der Andrang an unserem ersten Workshop-Tag: Unser Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt, als wir gemeinsam chanteten.Auch unsere weiteren Angebote wurden hervorragend angenommen und zogen zahlreiche Teilnehmer an. Das hat uns in unserer Überzeugung bestärkt: Nächstes Jahr werden wir unser Programm definitiv erweitern!
Das Erlebnis, mehr als 25 Menschen um dich herum beim gemeinsamen Chanten zu haben, ist einfach unbeschreiblich und jede „verpasste“ Fotochance wert. Diese kollektive Energie und die tiefe Verbundenheit, die dabei entstand, sind etwas, das man fühlen muss. Es war ein wahrhaft magischer Moment, der uns alle berührt hat.
Friedensarbeit als Mahnmal
Zwischen Konzerten, Workshops und Vorträgen mischte sich eine besondere Atmosphäre: Eine Mischung aus Idealismus und Erdung. Kein Hochglanz, keine Hochmut. Stattdessen: der Mut, Fragen offen zu lassen.
Daher möchten wir euch an dieser Stelle an einen ganz besonderen Ort mitnehmen, der gar nicht zum Rahmenprogramm dazugehört: Dem Kriegerdenkmal in Friesack.
Friesack, eine Stadt mit einer langen Geschichte, beherbergt wie viele andere Orte auch ein Kriegerdenkmal. Solche Denkmäler sind stille Zeugen vergangener Konflikte und dienen dem Gedenken an die Gefallenen und Vermissten, die in Kriegen ihr Leben ließen. Sie sind oft Ausdruck tiefen Schmerzes und der kollektiven Erinnerung an Opfer, die im Namen von Nationen oder Ideologien erbracht wurden. In Friesack mag das Kriegerdenkmal, je nach seiner Entstehungszeit, unterschiedliche Epochen und deren spezifische Narrative widerspiegeln – sei es die Zeit der Weltkriege oder frühere Auseinandersetzungen. Es lädt dazu ein, innezuhalten und über die Auswirkungen von Krieg auf die lokale Gemeinschaft und darüber hinaus nachzudenken.
Das Kriegerdenkmal steht somit nicht nur für eine vergangene Ära, sondern als ständiger Appell für die Gegenwart und Zukunft. Es erinnert uns daran, dass Krieg immer Leid, Zerstörung und unermessliche Verluste bedeutet – auf allen Seiten. Der bekannte Ausspruch „Nie wieder Krieg“ von Käthe Kollwitz kam uns in stiller Reflektion in den Sinn.
In der Stille dieses Mahnmals wurde uns aber auch klar, dass jeder Mensch in seinem Tun, egal wie unwirksam es einem selbst erscheinen mag, mehr bewirkt, als sich vor den schrecklichen Konsequenzen zu verschließen. Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine ständige Aufgabe, die einen fortwährenden Einsatz erfordert – angefangen bei jedem Einzelnen und in jeder Gemeinschaft!
Zum Schluss sei der Baum in der Mitte des Rundells erwähnt. Er repräsentiert wohl den Neubeginn oder einfach nur das Leben…
Mikro statt Megafon
Ein besonderes Highlight für uns war die Möglichkeit, vor Ort Interviews für unser zweites Podcast-Format aufzunehmen. Wir trafen spannende Menschen aus verschiedenen Bereichen des Lebens: Friedensinitiativen, Friedenslehrer, Künstler und viele mehr. Jede Stimme öffnete ein neues Fenster in eine andere Welt, ein Blickwinkel, der Mut machte. Wir sprachen nicht über perfekte Lösungen, sondern über gemeinsame Wege.
Am Freitag, den 8. August 2025, wird eine weitere Folge direkt vom Pax Terra Musica Festival erscheinen. Darin kommen einige Stimmen aus dem Orga-Team des Pax Terra zu Wort, die spannende Fragen dazu beantworten, wie es nach diesem Pax Terra Musica Festival weitergehen wird.
Zudem haben wir auch für Radio Friedensfunk das Geschehen auf Band aufgenommen – ganz ohne Skript und ohne Vorbereitung. 😁
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Begegnungen
Abseits der Interviews war das Festivalgelände ein sozialer Raum, wie man ihn selten findet. Kein Handygeflacker, sondern echte Gespräche am Lagerfeuer. Kinder spielten mit Kreide, während Erwachsene über Friedensverträge und Permakultur philosophierten. Es wurde gelacht, gesungen, diskutiert.
Wir trafen Menschen, die man vorher nur digital kannte. Menschen aus allen Ecken der Republik – von der Berliner Dachgeschoss-WG mit 90% Luftfeuchtigkeit bis zum Selbstversorger-Bauwagen hinter Wuppertal. Wir begegneten immer wieder wildfremden Menschen, die sich anfühlten wie alte Freunde aus einem anderen Leben.
Sei es René – der legendäre Interview-Crasher – der es zweimal schaffte, mitten in unsere Aufnahme zu platzen, was natürlich für Lacher sorgte. Ein thüringisches Original, das selbst so wertvoll ist wie die berühmten Produkte seiner Heimat: Bodenständig wie die Bratwurst und charismatisch wie der Senf aus Born. Wenn wir schon zu neuen poetischen Spitzen kommen: Viola Livera war wieder ein Highlight für sich – mit ihrer unverwechselbaren Ausstrahlung, dieser Mischung aus Leichtigkeit, Tiefgang und charmantem Witz, zog sie einmal mehr das Publikum in ihren Bann. Umso größer war unsere Freude, dass sie gemeinsam mit ihrer Kumpanin die Festivalbühne betrat. So schön, wie Wort und Klang miteinander tanzten.
Und mittendrin: eine bunte Vielfalt an Friedensinitiativen, jede mit ihrer eigenen Handschrift, ihrer eigenen Perspektive. Sie alle einte das Anliegen, das kollektive Bewusstseinsfeld zu berühren – nicht mit Dogmen, sondern mit offenen Fragen, Impulsen und Ideen. Manche wählten meditative Wege, andere politische, wieder andere künstlerische. Doch alle verband der Wunsch, aufzuklären, zu verbinden und eine neue Kultur des Zuhörens zu fördern. Ob nun die Initiativen wie „FreiEinig„, „Krieg – Nicht in meinen Namen!„ oder „1.000.000 Stimmen für den Frieden„ bieten Gelegenheiten für Austausch und Verbundenheit um F-R-I-E-D-E-N in Reinform zu pflegen. So wurde das Pax zu einem Resonanzraum für solche Themen – und zu einem Labor für die friedenspolitische Aufklärung von morgen.
Es ging nie ums “Rechthaben”. Sondern ums “Verstehenwollen”. Darin lag eine stille Magie. Diese Art von Kommunikation – warm, offen, echt wertschätzend – ist wie ein seltener Pilz: schwer zu finden, aber äußerst bekömmlich, wenn man ihn teilt. Und hier auf Pax wurde genau das gefeiert. Es war nicht nur ein “Festival der Argumente”, sondern ein Fest der Begegnungen.
Heimreise vor dem nächsten….
Als das Festival sich dem Ende neigte, lag Müdigkeit in der Luft – und Dankbarkeit. Unsere Zelte, Notizen und Mikros waren schnell eingepackt. Was wir jedoch mitnahmen, ließ sich nicht falten oder verstauen: ein tiefes Vertrauen. Vertrauen in Menschen. Vertrauen in Prozesse. Vertrauen in das, was entsteht, wenn sich mutige Individuen begegnen.
Der letzte Tag fiel uns nicht leicht. Abschied nehmen ist nie einfach – nicht, wenn man sich verbunden fühlt. Manche umarmten sich lange. Andere zogen sich lieber still zurück. Und wieder andere hielten sich kurz, weil sie sonst gar nicht mehr weggekommen wären. Was bleibt? Eine Ahnung. Ein Bild. Eine innere Stimme, die sagt: So könnte es gehen.
Pax Terra Musica war für uns der Beweis, dass Wandel nicht nur möglich ist – sondern bereits passiert. Leise, tastend, nicht immer perfekt. Aber spürbar. Echt. Und offen für alle, die mitgehen wollen.
Das Festival ist kein eskapistischer Kurzurlaub, sondern ein fühlbarer Entwurf dessen, was möglich ist, wenn wir anders miteinander umgehen. Wenn wir zuhören. Wenn wir aussprechen, was uns bewegt. Wenn wir den Raum halten, statt ihn zu dominieren.
Wir danken allen, die diesen Raum gehalten, gestaltet und belebt haben. Den Organisatoren, Künstler, den Vortragenden, den Helfenden, den Menschen hinter und vor den Kulissen! Wir sehen uns wieder – irgendwo zwischen Vision und Alltag.
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Wem dieser Bericht zu oberflächlich war, wer lieber tiefer taucht und nicht nur am Ufer der Eindrücke planschen will, dem sei wärmstens unser chaotisch-schönes Radio Friedensfunk empfohlen – direkt live vom Pax
🎧 Freischwimmer-Level: Podcast Podium #01 – Hier kommen einige der Initiativen zu Wort.
🤿 Perlentaucher-Modus: In einer Spezialfolge gibt’s noch dazu zwei Handvoll „Paxis“ im Talk – von Zeltaufbau bis Zeltabbau, vom Lachflash bis zur Lagerfeuerlogistik.