Was Eltern zu „Pandemiezeiten“ ausgehalten und geleistet haben, hat viele Mütter und Väter nachhaltig erschüttert. Selbst Jahre
danach haben die Wenigsten diese Zeit und ihre quälenden Herausforderungen mental und emotional für sich aufgearbeitet. Ab und an findet sich – unverhofft – eine Gelegenheit zum Austausch mit anderen Eltern. Dann können wir etwas Druck ablassen.
Aber genügt das?
Was spricht überhaupt dafür, schmerzhafte Gefühle (z.B. aus der Corona-Zeit) wieder hochzuholen?
- Unverarbeitete Emotionen bleiben im Körper gespeichert (Nervensystem, Muskelanspannung, autonome Reaktionen). Sie wirken weiter als unterschwellige Belastung, als Trigger oder als Selbstvorwürfe.
- Integration statt Verdrängung: Dies führt zu mehr innerer Freiheit. Wenn Eltern ihre Zerrissenheit, Schuldgefühle, Ohnmacht und Trauer („Habe ich meinem Kind geschadet?“) wirklich anschauen und verarbeiten, können sie sich selbst und ihren Kindern mit mehr Mitgefühl und Klarheit begegnen.
- Elterliche Heilarbeit wirkt sich auf die nächste Generation aus. Kinder haben die innere Anspannung ihrer Eltern/Großeltern/Lehrer während der Pandemie stark gespürt. Kinder und Jugendliche haben oft zu früh Verantwortung für Andere übernommen – auch für ihre Eltern.
Wenn Eltern ihre eigenen Gefühle integrieren, entlasten sie damit auch die Beziehung zum Kind. - Vermeidung führt langfristig zu mehr Leid (z. B. chronische Scham, Reizbarkeit, emotionale Distanz, überkompensierendes Verhalten oder gar eine Reinszenierung des Erlebten).
Als Mutter möchte ich euch einladen, vorsichtig die Tore der Erinnerung zu öffnen um miteinander den Raum der Jahre 2020 – ´23 zu erkunden.
Die Spannungen, das Kämpfen, das Scheitern, die Verzweiflung, ungeahnte Kräfte und Entwicklungen – Lasst uns all das thematisieren, lasst uns empathische Zeugen sein für einander.
Mir geht es darum, diese „eingefrorene Energie“ im sicheren Rahmen einer Gemeinschaft nach und nach zu entladen und zu integrieren.
Mir geht es darum, diese Wunden behutsam, bewusst und heilsam zu berühren, damit alle Verletzungen, die diese Zeit in die Familien brachte, endlich heilen können.
Haben wir die Kapazitäten für diese Heilarbeit?
Der Verstand sagt sehr wahrscheinlich: „Nein, geht grad nicht. Lass uns das auf die To-Do-Liste setzen. Arbeit, Fensterputz, Steuererklärung …..(bitte Argument eigener Wahl einsetzen) … so vieles ist dringender.“
Die Wahrheit ist: Wir alle haben eine berechtigte Angst davor, aus unserem Funktionsmodus zu fallen, denn wir haben Verantwortung übernommen in unseren Familien. Und dafür wollen wir zuallererst geradestehen.
Der Angst still ins Gesicht zu schauen, kostet Energie.
Und unsere Energiereserven sind verbraucht.
Was aber genauso wahr ist: Vermeidung und Ausagieren kosten uns auch einiges an Energie. Das Wegdrücken von Schuld, Scham und Wut macht sich im Energiehaushalt bemerkbar. Wenn wir mit uns selbst mal ganz ehrlich sind, sehen wir, dass wir als verletzte Eltern auf einem 10-%-Akku laufen; wir sind abgrundtief erschöpft. Die Energievampire sitzen uns im Nacken, im Rücken, im Bauch und im Herzen. Vielleicht ist es an der Zeit, die mal abzuschütteln.
Also, woher holen wir diese Kraft?
Aus uns selbst heraus. Genau, wie wir es in all den Jahren des Elternseins geübt haben. Wir gehen das an; wir entscheiden uns für uns und für unsere Kinder. Denn unsere Kinder sind seit Anfang an der Motor unserer eigenen elterlichen Entwicklung.
Dann schaufeln wir uns die Zeit frei und raffen uns auf und nehmen uns zumindest mal den Fragebogen vor. Die Energievampire geben verdutzt den Weg frei, sie fürchten unseren finsteren elterlichen Blick. 😎
Der Fragebogen_FAH ist für Corona-Eltern zur Reflexion des Themas. (inspiriert von der Vorlage für Kinder und Jugendliche der „Pädagogen für Menschenrechte e.V.“ .) Ihr könnt den Fragebogen nur für euch ausfüllen oder ihr könnt ihn uns via Mail zusenden – aus Datenschutzgründen verwendet bitte fantasievolle Namen, auch für Lehrer, Schulleiter etc. 🙂
Wir planen die anonymisierte Veröffentlichung der Ergebnisse.
Geplant sind erste Treffen am 22. Juni und am 24. August,
18 bis 20 Uhr bei uns in Halle/S.
Anmeldung unter: helena@friedensatelier-halle.de